Glanz für Potsdam: Die BAMBI-Verleihung 2009
Glanz für Potsdam: Die BAMBI-Verleihung 2009

Friedrich der Große hätte wohl seine Freude gehabt: Im Zeichen von 20 Jahren Mauerfall fand die 61. BAMBI-Verleihung mit 800 Gästen in Potsdam, der ehemaligen Residenzstadt preußischer Könige, statt. Nach drei Jahren Harald Schmidt begrüßte ein sportliches Ost-West-Duo die Gäste im Saal: Katarina Witt (Ex-Eislaufstar) und Tom Bartels (Sportmoderator) führten als Moderatoren durch den Abend. Witt selbst war 1988 als erste DDR-Bürgerin geehrt worden.

Einen der bezauberndsten Auftritte hatte Politikergattin Stephanie zu Guttenberg. Sie vertrat kurzfristig ihren Mann, Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zur Guttenberg wegen des umstrittenen Luftanschlags in Afghanistan und dem Rücktritt des höchsten Bundeswehroffiziers Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn. „Denken Sie sich ihren Verteidigungsminister in dieses Abendkleid“, scherzte sie charmant – und übergab Fußballmanager Uli Hoeneß den BAMBI in der Kategorie „Wirtschaft“.

Unbestrittener Höhepunkt der Gala, die mit vielen Einlagen an Wende und Wiedervereinigung erinnerte, war ein Einspieler aus Ludwigshafen: Ein sichtlich gerührter Altkanzler Helmut Kohl, der aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich kommen konnte, nahm in seinem Haus im Rollstuhl sitzend seinen BAMBI aus den Händen des langjährigen politischen Weggefährten Theo Waigel entgegen. „Es ist dir gelungen, die deutschen mitzunehmen auf dem Weg zur Einheit“, sagte der frühere Bundesfinanzminister. Gratulationen kamen auch aus Brüssel: EU-Kommissionspräsident José Manuel Baroso würdigte Kohl als „großen Europäer“.

Zu Tränen gerührt war nicht nur die als „Schauspielerin International“ ausgezeichnete Kate Winslet (für „Der Vorleser“), als Jürgen Schulz für sein Kinderhospitz Sonnenhof in Berlin gehrt wurde. Es gab stehenden Beifall. „Nicht die Krankheit, sondern die Freude am Leben stehen im Vordergrund des beispielhaften Engagements von Jürgen Schulz“, begründete die Jury ihre Wahl. Mit der Björn Schulz Stiftung, benannt nach seinem Sohn, der mit sieben Jahren an Leukämie starb, unterstützt Schulz Familien mit schwerst- und unheilbar kranken Kindern. Winslet selbst sank dankbar vor ihrem Laudator, dem großen Bruno Ganz, auf die Knie und verkündete, ihren BAMBI mit dem deutschen Schauspielkollegen David Kross zu teilen: „Es war Wahnsinn, wie ausgereift er bereits spielen konnte trotz seines jugendlichen Alters.“

Die wohl kürzeste Dankesrede des Abends hielt Schauspieler Christoph Waltz, geehrt für seine oscar-prämierte Darstellung in Tarantinos „Inglourious Basterds“. Er wollte eigentlich „etwas Geistreiches“ zum Besten geben, sagte dann aber doch nur: „vielen, vielen Dank.“ Weitere BAMBIS gingen unter anderem an die Box-Brüder Wladimir und Vitali Klitschko sowie die „Deutschen in Hollywood“ Caroline Link, Florian Henkel von Donnersmarck, Oliver Hirschbiegel, Michael Ballhaus und Roland Emmerich. Mit dem BAMBI „Pop international“ wurde die Kolumbianerin Shakira, die auf der Bühne mit ihrem Hüftschwung kurzzeitig so manchem männlichem Gast im Saal den Kopf verdrehte.

Aufwühlender BAMBI-Moment: Der Preis für „stille Helden“ ging an den Leipziger Pfarrer Christoph Wonneberger, den Fotografen Aram Radomski und den Kameramann Siegbert Schefke. „Beschattung, Nervenkitzel Action pur“ – mit diesen Worten beschrieb der DDR-Oppositionelle Schefke, unter welchen Umständen sie die Leipziger Demonstrationen am 9. Oktober 1989 heimlich filmten.

Eine Überraschung wartete auf Modeschöpfer Wolfgang Joop: Seine Tochter Jette überreichte ihrem völlig überraschten und gerührten Vater den Sonderpreis der Jury: „Weil du Potsdam neu erfunden hast!“ Und Standing Ovations gab es zuletzt für Schauspieler Maximilan Schell, der für sein Lebenswerk geehrt wurde. „Ich hab Hunger“, verkündete der und ließ sich anschließend zusammen mit der prominenten Gästeschar Kalbsrücken und Karottengemüse schmecken.

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