BAMBI 2019

Baden-Baden – die kleinste Weltstadt

Das Festspielhaus in Baden-Baden, wo die diesjährige BAMBI-Verleihung stattfinden wird © Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH

Baden-Baden rollt den roten Teppich aus – für BAMBI und seine Preisträger. Mit 55.000 Einwohnern die kleinste Weltstadt mit den meisten Millionären Deutschlands, zieht sie mit Festspielhaus, Thermen, Casino, Galopprennbahn, Politiker-Gipfeln und  Preisverleihungen Gäste aus aller Welt an. Hierher reisten schon vor 200 Jahren Adlige, Diplomaten, Intellektuelle und Künstler: Berlioz und Brahms, Paganini und Caruso, Bertolt Brecht und Fjodor Dostojewski, der sich am Roulettetisch zu seinem Roman „Der Spieler“ inspirieren ließ. Kaiserin Sisi residierte hier mit eigener Kuh, und Romy Schneider hatte ihren ersten Bühnenauftritt an einem deutschen Theater. Greta Garbo verweilte 1963 vier Wochen lang inkognito hier, und Künstlerin Frida Kahlos Vater Wilhelm wuchs hier auf, bevor er 1890 nach Mexiko auswanderte. Doch Baden-Baden erfindet sich immer wieder neu. Heute gilt die einstige „Sommerhauptstadt Europas“ als hip und begeistert junge Leute mit Kunst-, Pop- und Jazz-Events, angesagten Hotels, lässigen Cafés, Bars, ausgezeichneter Küche und Boutiquen mit Luxus-Labels.

Im Festspielhaus, mit 2500 Plätzen Deutschlands größtes Opern- und Konzerthaus, gastieren Klassik-Stars wie Lang Lang, Anna Netrebko, Cecilia Bartoli, Rolando Villazón, aber auch Sting, Herbie Hancock, Ute Lemper oder Max Raabe. Es gibt  Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern, und das „Mr. M’s Jazz Club“-Festival (hinter dem „M“ verbirgt sich Entertainer Marc Marshall) präsentiert Größen wie Till Brönner, Biréli Lagrène oder Wolfgang Dauner. 60.000 Besucher kommen jährlich zum „SWR3 New Pop Festival“, bei dem schon Amy Winehouse, Anastacia, Lenny Kravitz, Ed Sheeran und Joe Cocker legendäre Auftritte ablieferten.

Und auch die Politik-Prominenz gibt sich gern in Baden-Baden ein Stelldichein: 2009 empfing Bundeskanzlerin Angela Merkel Barack Obama zum NATO-Gipfel; beide waren schon Preisträger des Deutschen Medienpreises, der 1992 von Media Control ins Leben gerufen wurde und bis 2017 in Baden-Baden Persönlichkeiten auszeichnete, die Gesellschaft oder Politik beeinflussen. Nelson Mandela wurde gewürdigt, ebenso Bill Clinton, George Clooney und Königin Máxima der Niederlande. „Baden-Baden is so nice that you have to name it twice“, zitierte Clinton. Seit 1931 führt die Stadt Baden gleich zweimal in ihrem Namen.

Die Thermalquellen, von den Römern „Aquae“ (Bäder) genannt, markieren die Anfänge der weltberühmten Bäder- und Kulturstadt an der Oos. Bis heute sprudelt das heilsame Thermalwasser aus zwölf Quellen. Im Bäderviertel speisen sie die moderne Caracalla Therme und das im Renaissancestil erbaute Friedrichsbad. Es gibt kaum eine berühmte Persönlichkeit in den vergangenen 200 Jahren, die hier keine Badekur durchgeführt hätte. Zwischen 1810 und 1834 wurde die Stadt erweitert. Ein Kurviertel entstand und eine Spielbank wurde eingerichtet, in der später Marlene Dietrich verkehrte und die noch heute als die schönste Deutschlands gilt. Jacques Bénazet, ein Unternehmer aus Paris, und sein Sohn Edouard ließen dafür repräsentative Bauten errichten, in klassizistischem Stil das Kurhaus, in dessen prachtvollen Räumen die Casinosäle, ein Ballsaal und ein Konzertsaal untergebracht wurden. Im anschließenden weitläufigen Garten entstand 1842 die eindrucksvolle Trink- und Wandelhalle. Hier spielten in den 1850er-Jahren allmorgendlich um 7 Uhr Bläser des „Winterorchesters“ auf, Vorläufer der heutigen Philharmonie Baden-Baden, mit der Johann Strauss, Wilhelm Furtwängler und Plácido Domingo musizierten und deren internationale Tourneen heute bis nach China und Dubai führen.

Von Baden-Baden in die Welt – die Welt in Baden-Baden. Im fast 150 Jahre alten Grandhotel „Brenners“ an der Lichtentaler Allee übernachteten Staatsoberhäupter, Royals und Scheichs. Hier traf Helmut Kohl 1995 Jacques Chirac zum 66. deutsch-französischen Gipfel und zwei Jahre später den russischen Präsidenten Boris Jelzin. Heute wohnen in „Brenners Park-Hotel“ die Schönen und Reichen, die zum Frühjahrsmeeting, zur Großen Woche oder zum Sales & Racing Festival im Herbst auf der Galopprennbahn in Iffezheim anreisen. Großes Plus für die Stadt ist der 1996 eröffnete Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden.

Neben dem Festspielhaus lädt das Theater, von dem französischen Architekten Charles Dérchy im Stil der Pariser Oper errichtet, zur Unterhaltung ein. Tagsüber ist Luxusshopping angesagt. In der Sophienstraße und der Lichtentaler Straße werden internationale Modelabels in eleganten Boutiquen angeboten. An das Flair der Belle Époque erinnern die Kurhaus-Kolonnaden aus dem 19. Jahrhundert. Zu Fuß oder mit der Kutsche geht es über die Flaniermeile der Lichtentaler Allee zur Staatlichen Kunsthalle und dem Museum Frieder Burda, das nach Plänen des New Yorker Architekten Richard Meier 2004 eröffnet wurde. Das „Juwel am Park“ (Meier) beherbergt mit der Sammlung Frieder Burda eine der bedeutendsten privaten Sammlungen Europas mit rund 1.000 Werken moderner und zeitgenössischer Kunst. Bis zum 8. März 2020 ist dort eine Retrospektive mit großformatigen Ölgemälden von Karin Kneffel zu sehen.

Entspannung findet man in der historischen Altstadt mit Kopfsteinpflaster, schmalen Gässchen und schmucken Fassaden. Hier wurden einige Szenen des ARD-Zweiteilers „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ gedreht. Und dann gibt es natürlich noch die zahlreichen Cafés und Eisdielen, die zum Verweilen einladen. Wer will, kann sehen und gesehen werden. Vielleicht begegnen einem „Wetten, dass..?“-Erfinder Frank Elstner oder der Neu-Baden-Badener Thomas Gottschalk.

Reich, aber sexy präsentiert sich Baden-Baden heute als coole, moderne Stadt mit internationalem Flair. Mit mehr als einer Million Übernachtungsgästen ist die kleine Weltstadt im Grünen längst kein Geheimtipp mehr. Bereits die Eltern von BAMBI-Stifter Hubert Burda hatten hier Ende der 1920er-Jahre ihre ersten Rendezvous, und die „Buch- und Tiefdruckerei Franz Burda, Offenburg in Baden“ druckte die Kataloge für die ersten internationalen Kunstausstellungen nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bäderstadt. „Burda Moden“-Verlegerin Aenne Burda beteiligte sich 1952 in einem Rometsch „Eleganz“ am sogenannten Rosen-Corso, bei dem Schönheit und Harmonie von Frau und Auto bewertet wurden.

Zeit, dass BAMBI den roten Teppich betritt und mit ihm Menschen aus Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft, die die Welt bewegen. „Ich will Ihnen verraten, dass Hollywood der einzige Ort der Welt ist, der mich einigermaßen an Baden-Baden erinnerte“, schrieb schon Reiseschriftsteller Alfons Paquet.

Autorin: Ute Dahmen