BAMBI 2011

Aus Süßen in die Welt

BAMBI wird gefertigt
BAMBI wird gefertigt

Süßen auf der Schwäbischen Alb: Abgeschieden in ländlichem Idyll erblickt ein Kitz das Licht der Welt. Hier hat es Zeit zu wachsen, in Ruhe groß und stark zu werden. Denn knapp fünf Monate braucht es, bis aus ihm der goldglänzende Star wird, der bei seinem Auftritt die Herzen zahlloser Menschen erobert.

Geburtsstätte von BAMBI ist die Kunstgießerei Strassacker, die seit mehr als fünf Jahrzehnten für die Fertigung verantwortlich ist. Jedes Reh wird hier in sorgfältiger Handarbeit hergestellt. Durch mindestens sechs Paar Hände wandern die Trophäen im Haus, rund 20 Arbeitsschritte sind nötig, bis aus dem Ur-Modell ein Bronzekunstwerk entsteht. Denn gleich ist den Kitz-Unikaten, dass sich hinter ihrer grazilen Anmut ein stabiler Bronzekernkern verbirgt. Erst später wir die Figur mit 18-karätigem Gold veredelt.

Die Verwandlung zum Star beginnt mit Silikon. Die Kunstgießer von Strassacker fertigen daraus zunächst eine Negativ-Form, in die grünes Spezialwachs gegossen wird. Das abgekühlte und ausgehärtete Wachs-Kitz, das im wahrsten Sinne noch recht grün hinter den Ohren ist, darf anschließend in einer Keramikmasse baden gehen. So entsteht ein Überzug, der im Brennofen zur festen Keramikform wird. Das Wachs dagegen schmilzt. Dann geht’s noch heißer her: Mithilfe der neuen Hülle bekommt BAMBI in der hauseigenen Gießerei seine endgültige Form aus 1.250 Grad heißer, flüssiger Bronze.

Das aus der Keramikschale befreite Reh wird schließlich mit einem kompletten Schönheitsprogramm verwöhnt: Die Kunsthandwerker schweißen, löten, feilen und polieren die Kanten und Oberflächen der 29 Zentimeter hohen Skulptur so lange, bis alle Details stimmen. Der letzte Coup folgt in Pforzheim: das galvanische Goldbad.

Nicht immer sah BAMBI so aus. In seinen Anfängen gehörte es nämlich noch zur gefährdeten Art. Das weiße Ur-Kitz, 1948 zum ersten Mal verliehen, war schließlich eine Trophäe aus weißer Keramik und hielt als solche stürmischen Sieger-Küssen oder Streicheleinheiten der Kinder nur bedingt stand. Das Bronze-BAMBI mit dem Goldmäntelchen gibt es seit 1958 – und das ist Busserl-fest.

Auch was den Look angeht hat sich BAMBI, ganz der Showbizz-erprobte Mega-Star, schon einige Male neu erfunden. Der erste Entwurf für die vergoldete Bronzeskulptur stammt von Emil Sutor, im Jahr 2000 hat der Preis ein neues Design von Bildhauer Kurtfritz Handel bekommen. Eine zeitlang stand das Reh auf Chopard-Schmuck: Seit 2006 veredelte ein funkelnder Sockel den Preis. 2010 gibt es das Reh erstmals wieder pur. So naturschön kommt seine grazile Figur noch mehr zur Geltung – und macht Preisträgern wie Zuschauern Freude.