Ganovenjäger mit BAMBI (v. li.): Wiliam Conrad ("Cannon"), Telly Savalas ("Kojak") und Erik Ode ("Der Kommissar").
Ganovenjäger mit BAMBI (v. li.): Wiliam Conrad („Cannon“), Telly Savalas („Kojak“) und Erik Ode („Der Kommissar“).

Nach der BAMBI-Provinz-Verleihung in Ruhpolding rauchten in der Redaktion der verantwortlichen Fernsehzeitschrift BILD UND FUNK die Köpfe. Das Fazit war eindeutig: BAMBI musste wieder Glanz und Glamour erhalten, BAMBI musste wieder Weltstars anlocken und an die erfolgreichen Anfangszeiten anknüpfen, als eine Sophia Loren, eine Liz Taylor, ein Rock Hudson oder eine Ingrid Bergman das goldene Reh in Empfang nahmen. Nichts gegen die „Fernsehmutter der Nation“ – aber den BAMBI-Verantwortlichen um Senator Franz Burda war klar: Inge Meysel allein reichte einfach nicht mehr. Als erste „Wiederbelebungsmaßnahme“ für BAMBI machte Franz Burda eine vor fünf Jahren getroffene Entscheidung wieder rückgängig und ließ den damals abgeschafften „Film-BAMBI“ wieder auferstehen. 1970 schimpfte der Senator noch über die Qualität insbesondere des deutschen Films und verbannte den „Film-BAMBI“ in die Archive. Angesichts der Ruhpolding-Krise des BAMBIS besann sich Burda eines Besseren und verkündete, warum sein Verlagshaus jetzt doch wieder Leistungen auf dem Gebiet des Films auszeichnen wollte: „Der Spielfilm hat in den letzten Jahren als Unterhaltungsfaktor und im künstlerischen und gesellschaftspolitischen Anspruch wieder Geltung gewonnen.“

Sicherlich mehr als ein schöner Nebeneffekt dieser Entscheidung war die Tatsache, dass der Senator bei der BAMBI-Verleihung im Königsaal des Münchner Hotels „Bayrischer Hof“ wieder internationale Stars begrüßen konnte. Denn den neuen, alten „Film-BAMBI“ holten sich, unter den Augen des bis dahin letzten Gewinners des „Film-BAMBIS“, Omar Sharif, Mario Girotti und Carlo Pedersoli ab. Sie kennen Pedersoli und Girotti nicht? Aber sicher kennen Sie diese Schauspieler – unter den Künstlernahmen Terence Hill und Bud Spencer! Neben den zwei Newcomern des Jux-Italo-Westerns war der BAMBI für das Jahr 1974 auch Treffpunkt der internationalen Ganovenjäger. Einen BAMBI gab es für Telly Savalas („Kojak“), für William Conrad („Cannon“) und für Erik Ode („Der Kommissar“). Conrad war so begeistert von der Ehrung, dass er gleich mehrere Tage – nicht mit seiner Ehefrau, sondern seiner 70 Jahre alten Sekretärin – in Deutschland blieb und besonders das deutsche Essen schätzen lernte. „Ich liebe Weißwurst und Bier. Bei dem guten Essen darf ich aber nicht zu lange bleiben. Sonst muss entweder mein Bauch kleiner werden oder Ihre Bildschirme größer“, scherzte der kugelrunde Conrad, der auch gleich noch ein wichtiges deutsches Wort – oder was die Bayern dafür halten – lernte: „Oachkatzelschwoaf“. Für alle Preußen: Das ist ein Eichkätzchenschwanz. Gute Ausdauer bewies Telly Savalas: Nach seinem 15-Stunden- Flug besuchte er sofort die BILD UND FUNK Redaktion, schlief zwei Stunden im Hotel, eilte um 18 Uhr zum BAMBI-Fest, feierte dort bis fünf Uhr früh und flog vier Stunden später zur Rudi- Carrell-Show. Apropos Carrell – auch er bekam einen BAMBI – als beliebtester Quizmaster Deutschlands. Seine Dankesworte: „Ich habe ein tolles Telegramm aus China bekommen: Herzlichen Glückwunsch zum BAMBI. Franz Josef und Mao.“

Die Überraschung der BAMBI-Verleihung ‘74 gelang aber Erik Ode. Denn dieser gab seinen gerade erhaltenen BAMBI weiter: „Ich möchte einen Mann auszeichnen, der hier noch nie ausgezeichnet worden ist: Senator Dr. Burda. Sie sind mehr als ein Blattmacher, Sie sind der beste Drucker Deutschlands, Europas, vielleicht sogar der Welt. Für das, was Sie als Freund unseres Berufes bisher getan haben, möchte ich Ihnen meinen Bambi übergeben.“

Text: Rüdiger Klausmann

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