160.480 Leser der "Film-Revue" kürten sie zu BAMBI-Siegern: Gina Lollobrigida, Jean Marais, Maria Schell.
160.480 Leser der „Film-Revue“ kürten sie zu BAMBI-Siegern: Gina Lollobrigida, Jean Marais, Maria Schell.

Der schlanke junge Mann mit den sensiblen Gesichtszügen stand einige Sekunden lang wie benommen da – dann trat er langsam ans Mikrofon und sagte ein einziges Wort: „Danke!“ Der Beifall wurde zum Orkan, die Zuschauer sprangen von den Sitzen hoch, und in Sprechchören brandete es zur scheinwerferüberstrahlten, blumengeschmückten Bühne empor: „Horst! Horst! Horst!“ Die Entscheidung war gefallen, das Filmpublikum hatte seinen Liebling gewählt. Mit diesen fast lyrischen Worten berichtete die BUNTE im April 1957 über die rauschende Gala zu Ehren der BAMBI-Sieger 1956. Horst hieß übrigens mit Nachnamen Buchholz und seine Wahl wurde von BUNTE so bewertet: „Noch im letzten Jahr war O.W. Fischer Favorit der Herzen. Diesmal ist er von dem blutjungen Horst Buchholz auf den zweiten Platz verwiesen worden. Ein Beweis, dass nicht die großen, klingenden Namen entscheiden, sondern einzig alleine die Leistung.“

Dass auch ein großer Name verbunden mit einer großen Leistung kein Hinderungsgrund für einen BAMBI ist, bewiesen Maria Schell, die sich bereits ihr fünftes Keramik-Reh abholte, sowie Jean Marais und Gina Lollobrigida, die als beliebteste ausländische Stars geehrt wurden. BAMBI 1956 brach alle bisherigen Rekorde: Die „Film-Revue“, die inzwischen in Karlsruhe erschien, wuchs mit einer Auflage von 400.000 zu Europas größter Film-Illustrierten, die Beteiligung an der Leser-Wahl erlebte einen gigantischen Schub auf 160.480 Postkarten und die Begeisterung um das BAMBI-Fest kannte kaum Grenzen. Stundenlang warteten die Fans vor dem Karlsruher „Schloss-Hotel“, in dem alle BAMBI-Stars abgestiegen waren, um einen Blick auf ihre Lieblinge zu erhaschen. Maria Schell und Jean Marais ließen sich auch nicht lange bitten und warfen rote Rosen in die jubelnde Menge. Am Abend in der Schwarzwaldhalle sah es nicht anders aus: Der Saal war rappelvoll – Hunderte hatten keine Eintrittskarte mehr ergattern können. Und auch nach der Verleihung hatten die Stars keine Ruhe. Für die paar Schritte zwischen Schwarzwaldhalle und Stadthalle – in der eine Cocktail-Party den Abend beendete – brauchten die von Autogrammjägern umlagerten Stars fast eine halbe Stunde.

Nicht nur Autogrammjäger kamen auf ihre Kosten, auch die Klatschreporter hatten angesichts der großen Star-Dichte genügend Stoff, um ihre Seiten zu füllen. Da war zum Beispiel Gina Lollobrigida, die extra aus Rom anreiste, obwohl sie hochschwanger war. Auch Maria Schell reiste aus Rom an, wo sie im April 1957 gerade einen Film drehte – auf Italienisch! „Ich habe den Ehrgeiz, meine Stimme nicht synchronisieren zu lassen. Jede Nacht büffle ich deshalb italienische Vokabeln“, verriet Schell, die mit ihrem Verlobten, dem Regieassistenten Horst Hächler, erschienen war. Die 15-jährige Heidi Brühl wurde vom Fotografen abgelichtet ,als sie an einem Hühnerbein herumnagte, Bernhard Wicki beim Weißwurst-Essen. Horst Buchholz wurde bei einer Fachsimpelei mit Jean Marais erwischt und Marais gab hinterher den Propheten: „Buchholz ist ein großartiger Schauspieler, der auch in Hollywood seinen Weg machen wird.“ Doch auch eine Peinlichkeit wurde in der BAMBI-Berichterstattung „enthüllt“. Horst Buchholz erschien bei der BAMBI- Feier zusammen mit seiner Schwester Heidi sowie Mutter und Vater. So weit eigentlich nichts Besonderes. Das Dumme war nur: Die „Film-Revue“ berichtete kurz vor der BAMBI-Gala, dass der Vater von Horst Bucholz im letzten Krieg gefallen sei – und jetzt saß er quicklebendig bei der Ehrung seines Sohnes in der Schwarzwaldhalle…

Text: Rüdiger Klausmann

Notice: Undefined index: privacy_opt_in in /var/app/current/wp-content/themes/bambi2018/inc/helper.php on line 251