1989 war es Kritiker Marcel Reich-Ranicki (links, zusammen mit Helmut Markwort) noch eine Ehre, einen Medienpreis zu erhalten.
1989 war es Kritiker Marcel Reich-Ranicki (links, zusammen mit Helmut Markwort) noch eine Ehre, einen Medienpreis zu erhalten.                      (c) Hubert Burda Media /Archiv

Es war eines der TV-Ereignisse des Jahres 2008: Marcel Reich-Ranicki lehnte den „Deutschen Fernsehpreis“ ab, der ihm für sein Lebenswerk verliehen werden sollte. „Ganz offen gesagt, ich nehme den Preis nicht an“, sagte der 88-Jährige bei der Verleihung und geißelte die prämierten TV-Hits als „Blödsinn“ und „überflüssig“: „Es ist schlimm, dass ich das erleben musste.“ Rund zwanzig Jahre zuvor war der streitbare Literaturkritiker weniger empfindlich. Denn 1989 wurde ihm der Medien- Preis BAMBI in der Sparte „Kultur“ überreicht — und Marcel Reich-Ranicki nahm ihn dankend an. Die BUNTE lobte ihn mit den Worten: „Der legendäre Ex-Ressort-Chef der FAZ-Literatur-Redaktion, messerscharf in seinen Kritiken, machte das ‚Literarische Quartett’ (ZDF) spannend wie einen Krimi, unterhaltend wie eine große Show.“ Und die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „BAMBI für den Löwen. Das war fällig, überfällig: Wenn irgendein Schriftsteller, irgendein Sprech-Steller den Fernseh-Medien-Preis BAMBI des Burda-Verlages für die so genannte Sparte Kultur verdient hat, dann Marcel Reich-Ranicki.“ Ausgezeichnet wurde Reich-Ranicki übrigens auf der Bühne der Münchner Arri-Studios neben den TV-Stars des Jahres 1989: den 45 Schauspielern der „Lindenstraße“ (bei der Erstausstrahlung vier Jahre zuvor als „Blindenstraße“ verspottet). Auch damals ganz sicher nicht unbedingt das „Arte“-Niveau, das Reich-Ranicki im Oktober 2008 als ultimative Messlatte für Qualität im Fernsehen ins Spiel brachte.

Bemerkenswert war auch der BAMBI für „Neue Medien“, den Helmut Markwort erhielt. Ende der 60er-Jahre war Markwort beim Burda-Verlag selbst noch für die BAMBI-Verleihung verantwortlich, 1989 bekam er das goldene Reh für seine Erfolge mit „Antenne Bayern“, „Radio Gong 2000“, als Zeitschriften-Chef und als Moderator des Sat.1-Quiz „Zeitreisen“. „Ein Baumeister der Neuen Medien mit Sendungsbewusstsein“, lobten die Burda-Verantwortlichen. Kein Wunder, dass sie Markwort 1992 zurückholten, um den größten Erfolg seiner Berufslaufbahn gemeinsam zu feiern: die erfolgreiche Einführung des Nachrichtenmagazins FOCUS. Doch BAMBI 1989 stand auch im Zeichen des Mauerfalls: Ausgezeichnet wurde das Team der mutigen, kritischen DDR-Jugendsendung „elf 99“. Einen BAMBI für ihr Lebenswerk erhielt zudem die 75-jährige Volksschauspielerin Heidi Kabel und den BAMBI ’89 für Kreativität gewann Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Der Erlös der BAMBI-Gala 1989 – die stolze Rekordsumme von 250.000 Mark – ging damals an die Aktion „Rettet den Regenwald“. Wolfgang Engelhardt, wissenschaftlicher Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl, forderte in diesen Tagen: „Zur Rettung der Regenwälder müssen von den wohlhabenden Industriestaaten mehrstellige Milliardenbeträge zur Verfügung gestellt werden. Die Verwalter der Tropenwälder, die Wirtschaftshilfe aus diesem Fonds erhalten, müssten sich vertraglich verpflichten, ihren Urwald auf Dauer zu schützen.“ Wie der Pressebeauftragte von BAMBI stolz verkündete, hatte die ARD die Reportage über das BAMBI-Fest aus dem Jahre 1989 von 45 Minuten auf 60 Minuten „wegen der Bedeutung der diesjährigen Verleihung“ verlängert. Übrigens: Der Pressebeauftragte von BAMBI war 1989 der Oberkircher Werner Kimmig – ab 1990 bis heute Produzent der BAMBI-Gala und 2008 auch verantwortlicher Produzent des „Deutschen Fernsehpreises“ – womit wir wieder bei Marcel Reich- Ranicki gelandet wären…

Text: Rüdiger Klausmann

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