Bambi-Sieger im Privatgespräch: Heinz Rühmann (links) und Rock Hudson
Bambi-Sieger im Privatgespräch: Heinz Rühmann (links) und Rock Hudson (c)Hubert Burda Media

Nach vier Jahren BAMBI-Dominanz plädierten die Leser der Karlsruher Zeitschrift „Film-Revue“ für den Abschied des BAMBI-Traumpaares Ruth Leuwerik und O.W. Fischer. Die Dauer- Sieger mussten sich bei der BAMBI -Wahl für das Jahr 1962 mit den zweiten Plätzen begnügen. Die Sieger hießen nach langen Jahren Wartezeit Heinz Rühmann und Liselotte Pulver. Bei den Ausland-Stars gab es dagegen die bekannten Gesichter. Zum fünften Mal Rock Hudson (wieder vor Anthony Perkins und Charlton Heston), zum dritten Mal Sophia Loren (vor Doris Day und Audrey Hepburn). Die Nachwuchs- BAMBIs sicherten sich Cordula Trantow und Thomas Fritsch. Mit dem ersten „richtigen“ Sieg von Heinz Rühmann (seinen ersten BAMBI bekam Rühmann ein Jahr zuvor nicht durch die Leser-Wahl, sondern als „Ehren“-BAMBI für langjährige Verdienste) beginnt eine absolute Rekord-Ära. 12-mal bekam Rühmann den BAMBI verliehen – bis heute einsamer Rekord (dahinter platzieren sich in der BAMBI-Liste Peter Alexander (10) und O.W. Fischer mit neun BAMBIs). Was besonders erstaunt, ist, dass Rühmann diesen BAMBI – Rekord schaffte, obwohl er erst 1963 in der Schwarzwaldhalle Karlsruhe (für das Filmjahr 1962) im jugendlichen Alter von 62 Jahren (!) zum Lieblingsstar der Deutschen gekürt wurde – nach bereits über 60 erfolgreichen Kinofilmen (u.a. „Die Feuerzangenbowle“, „Charlys Tante“ und „Der Hauptmann von Köpenick“)! 1962 war Rühmann mit einem weiteren Pater- Brown-Film und dem Hit „Max, der Taschendieb“ erfolgreich. Auch Liselotte Pulver musste einige Jahre auf den ersten ihrer insgesamt sechs BAMBIs warten. Als sie das Reh bei der Verleihung in der Karlsruher Schwarzwaldhalle 1963 endlich in Empfang nehmen konnte, strahlte sie vor Glück: „Jetzt hab ich ihn!“, rief Lilo den begeisterten Zuschauern zu und drückte das goldene Reh: „Wissen Sie, wie das ist, wenn sich ein Traum erfüllt?“. Vor dem BAMBI hatte Pulver bereits über die Jahre eine Bundesfilmpreis- Ehrung und mehrere „Ottos“ (den Preis der Jugendzeitschrift „Bravo“) erhalten. Filmhits wie „Das Wirtshaus im Spessart“, „Ich denke oft an Piroschka“ oder „Die Züricher Verlobung“ machten Pulver zum Schauspielstar. 1961 eroberte sie auch Hollywood und brillierte in Billy Wilders Komödie „Eins, Zwei, Drei“. 1962 – das Jahr, für das die Deutschen sie zur BAMBI-Siegerin kürten – war sie in „Der junge General“, „Das Haus der Sünde“ und „Kohlhiesels Töchter“ zu sehen.

Übrigens: Die BAMBI-Verleihung 1963 – für das Jahr 1962 – war die erste Verleihung, die unter der Mehrheits-Regie des Verlagshauses Burda stattfand. Senator Franz Burda, der bei der Verleihung 1963 noch nicht persönlich in Erscheinung trat, hatte im Dezember 1962 55,5 Prozent der Neuen Verlagsanstalt Karlsruhe von Verleger Karl Fritz erworben und damit die Mehrheit an den Zeitschriften FREUNDIN (Auflage 400 000) und eben auch der „Film-Revue“ (Auflage 400 000), die die BAMBI-Wahl ausrichtete, in seinen Besitz gebracht. Zu hundert Prozent im Burda-Verlag integriert wurden die „Film-Revue“ und FREUNDIN am 1. Juli 1963, als Franz Burda die restlichen Anteile kaufte. Spötter sagen noch heute, Franz Burda hätte mit dem Kauf der „Film-Revue“ keine unternehmerische Expansion verfolgt, sondern Burda hätte einzig und alleine ein Auge auf den BAMBI und die glamourösen Feiern gehabt. Denn gefeiert hat Franz Burda immer gerne. Beispielsweise beim Bau des Offenburger Burda-Hochhauses. Da veranstaltete der Senator vierzehn Richtfeste (!) – für jedes Stockwerk eines. Doch als das Fest aller Feste galt für Burda ab 1963 nur eines: die BAMBI-Verleihung.

Text: Rüdiger Klausmann

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