Zu Tränen gerührt: Box-Superstar Henry Maske dankte seiner Ehefrau Manuela.
Zu Tränen gerührt: Box-Superstar Henry Maske dankte seiner Ehefrau Manuela.

Großer Bahnhof für die Stars: BAMBI 1995 war die Gala, in der alle Größen der deutschen Medienszene zum Zug kamen. Nie waren solche verbalen Platitüden berechtigter und passender als für die Beschreibung der BAMBI-Verleihung 1995. Denn der Ort der Gala war in der Tat die festlich geschmückte Schalterhalle des Münchner Hauptbahnhofes! Der Oberkircher TV-Produzent Werner Kimmig hatte mit seinem Team 700 Quadratmeter Teppichboden in Burda-Blau in der Rekordzeit von vier Stunden verlegt. Sieben Großheizungen wurden wegen des Kälteeinbruchs im November 1995 installiert. Hunderte Schaulustige belagerten den Münchner Hauptbahnhof und Verleger Hubert Burda eröffnete die Gala mit den Worten: „Wir waren mit BAMBI schon an so vielen Orten, aber ein so großer Bahnhof ist uns noch nicht gelungen.“ Bambi goes Bahnhof – ein Fest, das 1995 auch einen Trend manifestierte. Denn Deutschlands Bahnhöfe (5179 allein in den alten Bundesländern) entwickelten sich zu vielbeachteten Kultur-Treffs, an denen Reisende zum Beispiel Schauspielstar Hansjörg Felmy erleben durften, der mitten im Hauptbahnhof stand und Welt-Literatur rezitierte. Weniger um Welt-Literatur als um den neuen deutschen Lieblingssport ging es beim Bahnhofs-BAMBI: Bereits vor der Gala wurde Box-Star Henry Maske bei der Ankunft in einer Limousine von kreischenden Fans („Henry! Henry“) und drängelten Fotografen fast erdrückt.

Bewegende Stille dann Stunden später, als Maske den BAMBI entgegennahm: „Ich bin so gerührt, ich könnte jetzt nicht in den Ring steigen.“ Und dann wurde der harte Boxer plötzlich ganz weich und dankte mit Tränen in den Augen seiner Frau Manuela: „Sie hat mir immer den Kopf gerade gerückt. Sie ist es, die meine Entwicklung in den letzten sechs Jahren mitgetragen hat.“ Maskes Stimme brach, die Emotionen waren zu stark, ein ersticktes „Danke“ war sein letztes Wort auf der Bühne, bevor er seine Manuela suchte, sie umarmte und küsste. Jimmy von der „Kelly Family“ erkannte die Bedeutung der Szene als einer der Ersten und schenkte Maske einen Rosenstrauß für seine Manuela.

Geehrt wurden auch die Reichstagsverhüller Christo und Ehefrau Jeanne-Claude. Fünf Millionen Besucher lockte die Kunstaktion „Wrapped Reichstag“ nach Berlin, 11,5 Millionen Mark hatten die Künstler selbst in das Projekt investiert. Die BAMBI-Jury lobte vor allem die Hartnäckigkeit, mit der die beiden 24 Jahre für die Genehmigung des Kunstwerkes gekämpft hatten. Weitere BAMBI-Sieger waren unter anderem Franz Beckenbauer (für seine Stiftung, mit der er sich stark für Behinderte einsetzt), Geigerin Vanessa Mae (Klassik-BAMBI), Schauspieler Will Quadflieg (Ehren-BAMBI) und SAP-Gründer Dietmar Hopp (als Shooting-Star am Aktienmarkt). Den Spruch des Abends lieferte aber angesichts der eitlen Ballgäste der Komiker Olli Dittrich (BAMBI mit Wigald Boning für das Musik-Duo „Die Doofen“): »Unsere Anzüge stammen aus der Kollektion von Jaques Gellee aus Pforzheim, der Furore macht mit Kleidungsstücken aus indischem Dackelblech und spanischem Löffelbiskuit. Als Applikationen benutzt er mit Vorliebe rosarote Dragees mit Joop-S-11-Körnchen für glänzendes Fell und einen schicken Moshammer.“

Text: Rüdiger Klausmann

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