Der 2009 verstorbene "King of Pop" Michael Jackson bedankte sich überschwänglich: "Ich liebe Deutschland, Ihr habt einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen."
Der 2009 verstorbene „King of Pop“ Michael Jackson bedankte sich überschwänglich: „Ich liebe Deutschland, Ihr habt einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.“

Den BAMBI-Skandal 2002 gab es bereits vor der Verleihung der goldenen Rehe im Berliner „Estrel“-Hotel. Denn Pop-Star Michael Jackson flog samt Familie aus den USA nach Berlin, um seinen BAMBI für sein „außergewöhnliches künstlerisches und sozial engagiertes Lebenswerk“ entgegenzunehmen. Doch der lange Flug tat dem Superstar ganz offensichtlich überhaupt nicht gut. Kaum im Nobel-Hotel Adlon angekommen, musste die Polizei einschreiten. Denn der frühere „King of Pop“ flippte völlig aus und hatte nichts Besseres zu tun, als sein drittes Kind, Prince Michael II, über das Balkongeländer seines im fünften Stock gelegenen Hotelzimmers den tobenden Fans zur Schau zu stellen. Der Kleine wäre ihm dabei fast aus den Händen gerutscht!

Bei der BAMBI-Gala war der Pop-Star dann ganz brav und ließ sich von den anwesenden Prominenten zujubeln. Mit zartem Stimmchen dankte er für sein Millenium-BAMBI: „Der 11. September hat die Welt verändert. Wir brauchen keine Kriege, sondern nur Liebe. Seid glücklich und habt Freude.“ Eine Botschaft, die viel Beifall fand. Davon ermutigt, bedankte sich Jackson artig: „Ich liebe Deutschland, Ihr habt einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.“ Und auf Deutsch fügte er hinzu: „Berlin, ich liebe dich!“ Hinterher erzählte Jackson noch der BUNTE, dass er sich auf dem elfstündigen Flug von Los Angeles nach Deutschland überhaupt nicht gelangweilt habe, weil er „wunderbar“ mit Hollywood-Star Renee Zellweger plaudern konnte, die neben ihm im Flieger saß. Ob dies für Zellweger ein ähnliches Vergnügen war, ist nicht überliefert…

Ein bewegender Augenblick des BAMBI-Abends war aber auch die Auszeichnung der Schauspielerin Maria Schell und ihres Bruders Maximilian. Das Publikum erhob sich von seinen Plätzen, um die „große alte Dame des deutschen Films“, die damals zurückgezogen auf einer Alm bei Graz lebte, zu ehren. Schell saß in einem vergoldeten Sessel auf der Bühne und hatte Tränen in den Augen: „Dieses goldene kleine BAMBI kommt in den Wald hinter meiner Hütte und die anderen Rehe werden sich wundern.“ Besonders gerührt war Laudatorin Maria Furtwängler, da sie fünf Jahre zuvor mit Schell noch „Eine glückliche Familie“ drehte: „Wir haben mit ihr gelacht und gelitten. Sie ist ein wunderbarer Mensch, heiter, kollegial und großartig.“ Die BAMBI-Verleihung war Maria Schells letzter großer Auftritt – sie starb am 26. April 2005. Ihre Grabstelle befindet sich auf dem Friedhof Preitenegg in Kärnten.

Weiterer Höhepunkt der Berliner BAMBI-Gala 2002 war die Ehrung der amerikanischen Schauspielerin und Oscar- Gewinnerin Halle Berry (im langen, weisen Kleid mit Pelzstola), die auf der Berlinale 2002 einen Silbernen Bären gewann. Die „James-Bond“-Akteurin war angesichts des goldenen Rehs überglücklich: „Wer hätte gedacht, dass ich in diesem Jahr mit so vielen wunderbaren Preisen geehrt werde.“ Den Sport-BAMBI erhielten der Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, Rudi Völler, den „Kaiser“ Franz Beckenbauer auszeichnete und dabei Mut für die Fußball-WM 2006 in Deutschland machte – er ahnte damals noch nicht, dass der beliebte Rudi Voller zwei Jahre später sein EM-Debakel erleben und von Jürgen Klinsmann abgelöst werden sollte.

Die Schauspielerin Iris Berben bekam den Preis für Zivilcourage „für ihr mutiges Engagement gegen das Vergessen und für eine Aussöhnung zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland“. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, würdigte Berben bei der Überreichung des BAMBIS als eine „Botschafterin der Aussöhnung“ und als „Mutter Courage der deutschen Gegenwart“. Natürlich gab es 2002 auch wieder einen Charity-BAMBI. CDU-Chefin Angela Merkel (mit neuer Frisur und Designerjacke) überreichte den BAMBI an den Intendanten des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Udo Reiter, für die spontane und großartige Hilfe bei der Flutkatastrophe. Merkel: „Solange wir solche Preise haben, so lange haben wir in Deutschland noch viel Hoffnung.“ Reiter versteigerte den BAMBI spontan weiter und noch während der Live-Fernsehübertragung (Produzent: Werner Kimmig aus Oberkirch) ging ein Gebot von 10.000 Euro ein. Geld, das einem von der Flut zerstörten Behindertenheim zugutekam.

Weitere BAMBIS gingen 2002 an die amerikanische Sängerin Anastacia (BAMBI in der Kategorie „Pop international“), den Regisseur Dieter Wedel für seine Neuinszenierung der Nibelungensage, die längst aufgelöste Ex-Casting-Popgruppe Bro‘- Sis (BAMBI in der Kategorie „Pop national“), die Sängerin Cecilia Bartoli (Klassik-BAMBI), die ZDF-Moderatorin Maybritt Illner, die Modemacherin Gabriele Strehle und an den RWE-Vorstandschef Dietmar Kuhnt (Wirtschafts-BAMBI). Bei der Abstimmung der Fernsehzuschauer für den Publikums-BAMBI als beste TV-Kommissarin gewann Ulrike Folkerts für ihre Rolle als „Lena Odenthal“. Selbstbewusst nahm Ulrike Folkerts den BAMBI entgegen und verzichtete auf jede sentimentale Danksagung, sondern erklärte kurz und knapp: „Ich habe den BAMBI verdient.“

Text: Rüdiger Klausmann

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