Die Bambi-Sieger Sonja Ziemann und Rudolf Prack
Die Bambi-Sieger Sonja Ziemann und Rudolf Prack (c)United Archives GmbH/Alamy

Das Ergebnis der BAMBI-Leserumfrage 1950 war für die Redakteure der „Film- und Mode-Revue“ überraschend. Nicht Marika Rökk, Hilde Krahl oder Zarah Leander wurden zur beliebtesten Schauspielerin Deutschlands gewählt – nein, die 25-jährige Sonja Ziemann setzte sich mit 26,1 Prozent der knapp 24.000 Leserstimmen durch. Die Analyse der Fachzeitschrift war eindeutig: „Es ist ein alarmierender Vorgang, wenn bei den deutschen Frauen die 25-jährige Sonja Ziemann aus Eichwalde bei Berlin, von der man kaum mehr weiß, als dass sie 163 cm groß ist, dunkelblaue Augen, Schuhgröße 36 und eine mit Auszeichnung bestandene Abschlussprüfung bei der Balettmeisterin Tatjana Gsovsky hat, zur beliebtesten deutschen Filmschauspielerin erklärt wird. Man kennt und liebt eben ihre Filmrollen, angefangen von den ,Jungfern vom Bischofsberg‘ über ,Geliebter Schatz‘ bis zum ,Schwarzwaldmädel‘ und den ,Lustigen Weibern von Windsor‘, und man liebt – ihre Jugend.“

Als „Sensation“ werteten die Filmredakteure gar, dass der 27-jährige Adrian Hoven den zweiten Platz hinter dem erneuten BAMBI-Sieger Rudolf Prack belegte, noch vor Stars wie Johannes Heesters, Wolf Albach-Retty und Hans Söhnker! Auch bei den ausländischen Filmstarts, die erstmals separat zur Wahl gestellt wurden triumphierte die Jugend: Jean Simmons (22) siegte deutlich vor Ingrid Bergman. Die damals mit dem Prädikat „schönste Frau der Welt“ geschmückte Rita Hayworth beeindruckte die Deutschen nicht: zwei Prozent der Stimmen, am Ende Rang neun. Der „Spiegel“ analysierte den BAMBI-Erfolg von Ziemann so: „Es gefällt dem kleinen Mann im Parkett, dass sie als ,eine von uns‘ weder seelisch unergründlich noch erotisch verwirrend ist. In allen ihren Rollen ist sie munter und frisch gelüftet, alle ihre Filme sind aufs Happy End abonniert: Sonja stirbt nicht, sie holt sich höchstens mal einen Schnupfen.“

Nur bei den männlichen ausländischen Stars war die Welt für die „Film- und Mode-Revue“ noch in Ordnung: „Hier scheint das (vielleicht vorwiegend weibliche) Publikum in seinem Heldenideal etwas konservativer zu denken, indem es Schauspieler im besten Mannesalter den Vorzug gab. Jean Marais wurde wie 1948 Zweiter (14,8 Prozent aller Stimmen) . Sieger – auch wie 1948 – das „Idol aller Jungmädchenherzen“ Stewart Granger (34,6 Prozent). Fazit der Redaktion: „Das BAMBI-Ergebnis 1950 wird vermutlich nicht jedermann befriedigen. Das ist auch nicht der Sinn einer solchen Publikumsumfrage, die reale Tatbestände erforschen will und von uns nach streng demokratischen Spielregeln durchgeführt wurde.“ Wir wissen nicht, ob die Sorge der „Film – und Mode-Revue“ berechtigt war und sich tatsächlich jemand über das Ergebnis beschwerte. Was wir aber ganz sicher wissen, ist dass Sonja Ziemann per Telegramm über den Sieg bei der BAMBI-Leser-Wahl benachrichtigt wurde. Postwendend schickte sie ein Telegramm in die Baden-Badener Redaktion zurück: „Freue mich schrecklich über den großen Erfolg – Sonja Ziemann.“

Text: Rüdiger Klausmann

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