Eben noch bei den Anwälten – und jetzt Versöhnung auf der Showbühne: die holländischen Show-Importe Rudi Carrell und Linda de Mol.
Eben noch bei den Anwälten – und jetzt Versöhnung auf der Showbühne: die holländischen Show-Importe Rudi Carrell und Linda de Mol.             (c) BUNTE/U.Skoruppa

Ja, ja, die Holländer. In den 90er-Jahren überfluteten geradezu mehr oder weniger talentierte Show-Stars aus dem Nachbarland das deutsche Fernsehen. Ganz nach dem Leitsatz des großen Rudi Carrell: „Lieber ein Holländer im Fernsehen als hunderttausend auf der Autobahn“, eroberten sie die deutschen Bildschirme. Man hatte das Gefühl, sobald jemand Deutsch mit holländischem Akzent sprach, durfte er eine eigene Show moderieren. Die Namensliste der heute meist Vergessenen reichte von Marijke Amado („Mini-Playback-Show“) über Harry Wijnvoord („Der Preis ist heiß“) bis hin zu Linda de Mol („Traumhochzeit“). Und genau diese Linda de Mol, „Deutschlands schönster blonder Engel“ (BILD UND FUNK) wurde 1992 von den Lesern der Burda-Magazine BUNTE, FREIZEIT-REVUE, GLÜCKS-REVUE und BILD UND FUNK aufs BAMBI-Siegertreppchen gehoben. Die damals 28-Jahrige war mit ihrer Show „Traumhochzeit“ die Quoten-Queen des Jahres. RTL-Kollege Hans Meiser hielt die Laudatio und bat dann als Überraschungsgast Rudi Carrell auf die Bühne. Carrell zu de Mol: „Die BUNTE hat dich vor einiger Zeit als ‚Carrells Tochter’ betitelt. Deshalb bin ich stolz auf dich.“ Wer jetzt glaubt, dass dieses Lob die übliche Lobhudel-Platitüde bei Preisverleihungen war, der täuscht sich, denn diese Sätze Carrells glichen 1992 einer Sensation. Der Grund: Noch Tage vor der BAMBI-Verleihung flogen die Fetzen zwischen den zwei Holländern. Es ging um Urheberrechte und die Anwälte hatten das Sagen. De Mol soll für ihre Show „Kollegen, Kollegen“ bei Carrell Ideen geklaut haben. Umso erleichterter war Linda de Mol nach der Versöhnung auf der BAMBI-Bühne: „Rudi und ich hatten uns vorher noch nicht ein einziges Mal die Hand geschüttelt. Schön, dass unser erstes Treffen gleich eine Versöhnung ist. Schließlich arbeiten wir ab nächstes Jahr für denselben Sender.“

BAMBI 1992 war auch ein BAMBI der Rekorde. Denn noch nie gab es so viele Preisträger – genau 94 wurden im Kölner Hotel „Maritim“ geehrt! Die hohe Zahl ist allerdings einfach zu erklären, denn 78 Rehe erhielten die Olympia-Gold-Gewinner von Barcelona. Der emotionale Höhepunkt war die Verleihung des Ehren- BAMBIS an den „Kölsche Jung“ Willy Millowitsch, den großen, alten Volksschauspieler, der direkt von einer Theatervorstellung zur BAMBI-Gala kam.

Aber auch das Nachdenkliche kam nicht zu kurz. BAMBI 1992 war auch eine Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. BAMBI- Preisträger und Ausnahmekomponist Eberhard Schoener bedankte sich bei dem türkischen Taxifahrer, der ihn zum Hotel brachte. Bei der englischen Kellnerin und dem Kameramann aus Luxemburg, weil auch sie zum Gelingen des Abends beigetragen hatten. Den Sonder-BAMBI erhielten folgerichtig 1992 die vier Initiatoren der Lichterkette von München. Liedermacher Konstantin Wecker in seiner Rede: „Auch eine so festliche Preisverleihung sollte zur Demonstration werden gegen Ausländerhass, Intoleranz und braunen Sumpf.“ Dazu auch passend die Worte des Verlegers Hubert Burda: „Es hängt von den Medien ab, ob nur die Bilder von Mölln und Rostock in die Welt gesendet werden oder ob auch das friedfertige Deutschland gezeigt wird. Die Lichterkette von München steht für das andere, friedliche Deutschland.“

Text: Rüdiger Klausmann

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