Bambi

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Der Senator und die “Fürschtin”

Von Hunderten beobachtet unterhält sich Fürstin Gracia Patricia im Kongresssaal des Casinos mit Senator Franz Burda.

Von Hunderten beobachtet unterhält sich Fürstin Gracia Patricia im Kongresssaal des Casinos mit Senator Franz Burda.

Allen Reformbemühungen zum Trotz – BAMBI war Ende der 60er-Jahre ein todgeweihtes Tierchen. Vom Filmpreis zum Fernsehpreis umgemodelt, in prunkvollen Münchner Galas verliehen – aber Senator Franz Burda war dennoch nicht glücklich. Der Grund war weniger BAMBI an sich, viel mehr sein Gesellschaftsereignis „Bal Pare“, das er mit der BAMBI -Verleihung zusammengelegt hatte. Burda war es leid, dass Protestler verstärkt seine Galas dazu nutzten, sich abzureagieren. Farbbeutel flogen auf die Limousinen, der Senator musste sich mit Pöbeleien und Anfeindungen auseinandersetzen. „Das ist nicht mehr meine Welt. Die Zeiten fur einen Bal Pare sind vorbei“, sagte er eines Tages auf einer Taxifahrt zu seinem Neffen Dieter Pröttel, damals bereits ein bekannter Fernsehregisseur. Aber eben dieser Dieter Pröttel war es dann, der den Bambi Anfang der 70er-Jahre wiederbelebte und dem enttäuschten Senator in neuer Form schmackhaft machte.

Pröttel nahm 1970 eine Auszeit von seiner Fernsehkarriere, gab dem langjahrigen Werben seines Onkels nach und wurde als Nachfolger von Helmut Markwort (der zum „Gong“ wechselte) Chefredakteur der „Bild und Funk“. Im Gespräch mit der „Mittelbadischen Presse“ erinnert sich der heute 75-Jährige an seine ersten BAMBI-Arbeitstage: „1970 hatte BAMBI bei Burda keine große Bedeutung. Ich habe dann mit meiner Showerfahrung 1971 den BAMBI als Film- und Fernsehpreis wieder hochleben lassen.“ Und wie. Weg von Karlsruhe, weg von München. BAMBI goes Monte Carlo! Dieter Pröttel: „Meine Idee war: ,Wir machen ein Fest für die BAMBI-Sieger’. Gesagt, getan. Ich charterte einen Flieger und flog mit den BAMBI -Siegern und ein paar Journalisten nach Nizza. Danach ging es nach Monte Carlo. Im Vorfeld hatte ich die Fürstin Gracia Patricia überredet, dass sie auch zur Verleihung kommt. Ich werde nie vergessen, wie mein Onkel, Senator Franz Burda, in seinem unglaublichen Französisch zu der Fürstin sagte: ,Du Madle, wenn du bei uns auf dem Blatt bisch, dann verkaufe mir viel mehr Heftle.’“ Gracia Patricia verzieh Senator Franz Burda seine badische Hemdsärmligkeit und konnte sich den ganzen Abend nicht von ihm trennen. Dieter Pröttel muss noch heute lachen, wenn er daran denkt: „Sie wollte eigentlich nur kurz zur Verleihung durchschauen. Sie blieb aber den ganzen Abend beim Senator sitzen. Später sagte sie mir: ,Der Senator erinnert mich so an meinen Vater.’“

Welcher Coup Dieter Pröttel mit seiner BAMBI-Wiederbelebung gelungen ist, zeigte auch die Nachberichterstattung in der deutschen – und französischen – Presse. Überall fanden sich Bilder und Texte über BAMBI und die Sieger Inge Meysel, Peter Alexander, Anneliese Rothenberger, Heinz Rühmann, Gerd Ruge, Tom Toelle, Uwe Seeler, Udo Jürgens sowie als beliebteste TV-Serie „Der Kommissar“. Der heimliche Star waren aber auch in der deutschen Presse nicht die BAMBI -Sieger, sondern der „Vater aller BAMBIs“ – Franz Burda. In feinstem Badisch stellte Burda Fürstin Gracia Patricia BAMBI-Sieger Uwe Seeler, der stellvertretend für die dramatischen Spiele der Fusball-Nationalmannschaft bei der WM 1970 in Mexiko ausgezeichnet wurde, vor: „Hörens amol, Fürschtin. Das ist ,Uns Uwe’, unser Fuschballidol. Jetzt heist er ,Unsch BAMBI-Uwe’.“ Was Burda verheimlichte: Die Fürstin wusste sehr wohl, wer Uwe Seeler war. Denn Uwe Seeler war „schuld“ daran, dass Gracia Patricia überhaupt zusagte, Schirmherrin der BAMBI-Gala zu werden. Der „Bild“-Zeitung verriet Burda damals: „Der Sohn der Fürstin, Prinz Albert (12), spielt in der Jugendmannschaft von Monaco. Sein großes Vorbild ist Uwe Seeler. Er hat seiner Mama gesagt, bitte lass dich mit Uwe Seeler fotografieren, ich möchte so gerne auch ein Autogramm von ihm. Und dann hat die Fürstin zugesagt.“

Eine Zusage, die vor allem BAMBI-Preisträger Peter Alexander mächtig ins Schwitzen brachte. Denn Alexander musste lange überredet werden, den Charter-Flug nach Monaco anzutreten. Der Grund: Er war seit Jahren nicht mehr geflogen und musste erst den „inneren Schweinehund“ überwinden. Und als dann kurz vor dem Abflug der BAMBI-Preisträger noch jemand den Scherz machte: „Wenn diese Maschine abstürzt, dann ist die deutsche Fernsehunterhaltung ernsthaft gefährdet“ – wurde Alexander noch ein wenig blasser. Bei der Ankunft in Nizza war der Showstar dann sichtbar erleichtert: „Ich bin froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.“ Auch Inge Meysel hatte Grund zu feiern: Beim Zocken im Spielcasino gewann sie hundert Francs. Meysel: „Der BAMBI hat mir Glück gebracht.“ Kein Glück hat der BAMBI-Austragungsort Monte Carlo Heinz Ruhmann gebracht. Der achtfache BAMBI-Sieger sagte bei Franz Burda telefonisch den Trip nach Frankreich ab. Der traurige Grund: der Tod seiner Frau Hertha Feiler, mit der ihn gerade in Monte Carlo – oft der gemeinsame Ferienort – so viele Erinnerungen verbanden. Da schaffte Heinz Rühmann es nicht, öffentlich vor Publikum aufzutreten.

Text: Rüdiger Klausmann

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