Die glücklichen BAMBI-Sieger 1971 im Salzburger Schloss Mirabell (von links): Peter Alexander, Mireille Mathieu, Inge Meysel und Heinz Rühmann.
Die glücklichen BAMBI-Sieger 1971 im Salzburger Schloss Mirabell (von links): Peter Alexander, Mireille Mathieu, Inge Meysel und Heinz Rühmann. (c)Herzog/BUNTE/Hubert Burda Media

Nach der intimen Exklusivität im Charter-Jet nach Monaco ließ sich BILD UND FUNK Chefredakteur Dieter Pröttel im Jahr darauf wieder eine an Originalität kaum zu überbietende BAMBI-Verleihung einfallen. Am 25. März 1972 stiegen alle BAMBI-Gewinner für das Jahr 1971 in München in einen „BAMBI“-Express mit dem Ziel Salzburg. Unterwegs waren unter anderem Heinz Rühmann, Inge Meysel, Mireille Mathieu, Peter Alexander, Harry Valerien, Erik Ode, „Flipper“-Star Tommy Norden und Populärwissenschaftler Hoimar von Ditfurth. Die Zugfahrt mit Zwischenaufenthalten in Rosenheim, Prien und Traunstein wurde zum Volksfest, am Rande der „BAMBI-Bambule“, wie der „Kölner Express“ titelte. Weiter schrieb die Boulevardzeitung: „Es begann mit einem Amoklauf der Fans im bayrischen Rosenheim. Es endete mit einem Triumphzug in Kaiser-Manier durchs österreichische Salzburg.“ In Rosenheim blieb sogar die auf dem Bahnhof von Gerd Käfer vorbereitete Knödelsuppe stehen, weil keiner der Stars sich traute, den ‚BAMBI’-Express zu verlassen. Der Grund: Auf dem Bahnsteig tobten 5000 Fans.

Auch Dieter Pröttel erinnert sich im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse noch über 30 Jahre nach BAMBI 1971 kopfschüttelnd an diese legendäre Zugfahrt: „Auf den Bahnhöfen war was los – unglaublich, unfassbar.“ Unfassbar war genau das richtige Wort. In Prien gab es Keilereien zwischen Autogrammjägern und Absperrpersonal. Eine Teenie-Kompanie kreiste Roy Black ein und erzwang sich 20 Autogrammminuten, Mütter in Dirndl jagten Inge Meysel und Peter Alexander und junge Mädels kreischten vor ihrem Idol Chris Roberts. Dann geriet auf einmal alles außer Kontrolle: Peter Alexander erbleichte, als ihn die Menge vom Zug abdrängte, Kinder stürzten aufs Gesicht, Inge Meysel drohte in Ohnmacht zu fallen, als ihr im Gedränge der Ringfinger eingeklemmt wurde. Und die zierliche Sängerin Mireille Mathieu drohte fast erdrückt zu werden. Allein wäre sie nie in der Lage gewesen, sich den Weg von dem Zelt, in denen die Stars ihr Mittagessen (Rinderbrust mit Meerrettich) verzehrten, zurück zum Zug zu bahnen. Kurz entschlossen hob deshalb ihr „Schutzherr“, Verleger Franz Burda, Mireille hoch und trug sie sicher durch die jubelnde Menge. Roy Black ließ sich zwischen den anderen Stars mit ihren kugelschreiberverschmierten Jacketts und den zertretenen Schuhen erschöpft in den Zugsitz fallen und gestand: „Kinder, diese Fahrt ist eine Strapaze, aber die schönste, die man sich denken kann.“ Ins Fettnäpfchen trat allerdings ein Rundfunkreporter, der besonders clever sein wollte. Er drängelte sich zu Daliah Lavi durch und grinste sie an: „Na, wie geht es denn Les Humphries?“ Daliah Lavi musterte ihn kurz und klärte ihn dann trocken auf: „Sie müssen mich wohl mit Dunja Rajter verwechseln…“ Vom Salzburger Bahnhof fuhren die Stars mit Pferdekutschen durch die Menge der jubelnden Anhänger zum Schloss Mirabell. Im Rokokosaal schlug dann endlich die Stunde von Senator Franz Burda. Die Münchner Abendzeitung schrieb: „Franz Burda darf ungestört seiner rauschenden Redelust frönen und er tut es mit Macht.“ Burda kam ins Schwärmen. Er beglückwünschte die BAMBI-Sieger dazu, dass sie „echte Lieblinge des Volkes“ seien, und rief in den Saal: „Kein Ausschuss, keine Jury hat Sie gewählt – Sie sind Sieger, weil das Publikum selbst Ihnen in einer der größten Repräsentativumfragen, die je gemacht wurden, seine Stimme gegeben hat.“ Peter Alexander bedankte sich gerührt für seinen dritten BAMBI – vergessen war die Panik auf dem Bahnhof in Prien: „Nach dem, was ich heute erlebt habe, weiß ich: Dieses Publikum ist es wert, dass man dafür arbeitet.“

Und Heinz Rühmann, als Einziger mit dem eigenen Flugzeug nach Salzburg gekommen, zeigte stolz seinen neunten (!) BAMBI und lächelte: „Kürzlich hat mir jemand geschrieben, dass ich nun an der Schwelle des Greisenalters stehe – und alte Leute sollen ja nicht geschwätzig werden.“ Ernst fuhr er dann fort: „Deshalb will ich hier nur sagen: Dank an Herrn Senator Dr. Burda für alles, was er für uns Schauspieler getan hat.“ Nach der Feier ging es mit dem „BAMBI-Express“ zurück zum Münchner Hauptbahnhof, wo eine leicht alkoholisierte Künstlerschar kurz nach Mitternacht aus den Waggons stieg und nach der Melodie von „Ja, mir san mit’m Radl da“ laut sang: „Ja, mir san mit’m BAMBI da.“

Text: Rüdiger Klausmann

Notice: Undefined index: privacy_opt_in in /var/app/current/wp-content/themes/bambi2018/inc/helper.php on line 251