Bewegende BAMBI-Ovationen: Der damals 82-jährige Heinz Rühmann bekam seinen zwölften BAMBI von Maria Schell überreicht
Bewegende BAMBI-Ovationen: Der damals 82-jährige Heinz Rühmann bekam seinen zwölften BAMBI von Maria Schell überreicht (c)Hubert Burda Media/ Archiv

Zwei BAMBI-Verleihungen in einem Jahr – das gab es nur 1984. Wurden im Mai noch im neuen Münchner Verlagszentrum des Burda-Konzerns die Sieger für das Jahr 1983 gefeiert, so trafen sich am 20. Dezember 1984 im Deutschen Theater in München erneut hunderte Prominente um die BAMBIs „Für die Besten“ des Jahres 1984 zu verleihen. Mit dem neuen Slogan „BAMBI für die Besten« läutete Verleger Hubert Burda ein neues Zeitalter ein. BAMBI startete 1948 als großer Filmpreis, er wurde 1969 zum alleinigen Fernsehpreis und im Jahr
1984 modelte Burda seinen BAMBI zum Preis „für die Besten aus Film, Fernsehen, Sport und Gesellschaft“ um. Auch wenn damals der Begriff noch nicht verwendet wurde: 1984 wird BAMBI zu dem Medienpreis, den wir heute kennen.

Die wachsende Bedeutung von BAMBI zeigte sich 1984 auch darin, dass BAMBI erstmals wieder seit dem Januar 1969 als große Show im ZDF übertragen wurde (in den vergangen Jahren gab es nur kleinere Berichte zu sehen). War es damals (mit Moderator Dieter Thomas Heck) noch eher ein Dankeschön des ZDF dafür, dass der einstige Fernseh-Kritiker Franz Burda seine BAMBIs in den Münchner Fernsehstudios des ZDF verlieh, so war BAMBI 1984 ein TV-Novum: Die Show wurde als zweistündige Live-Aufzeichnung am Sonntag vor Heilig Abend zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Verleger Hubert Burda lobte: „Dies ist ein gutes Zeichen der Kooperation eines Verlagshauses mit einer der größten europäischen Fernsehanstalten.“ Regie führte bei der „BAMBI-Show ’84“ mit dem Offenburger Dieter Pröttel der damals meistbeschäftigte Regisseur.

Besondere Duplizität der Ereignisse: Der Moderator der BAMBI-Show, Thomas Gottschalk wurde zusammen mit Mike Krüger zu den „Spaßmachern des Jahres“ gewählt. Der Grund: Krüger und Gottschalk begeisterten mit den Kinokomödien „Die Supernasen“ (1983) und „Zwei Nasen tanken Super“ (1984) Millionen Deutsche. Regisseur dieser zwei Kinohits war übrigens auch Dieter Pröttel!
Der Neffe von Senator Franz Burda sagt über seinen damaligen Kinoausflug: „Das waren sicher keine großen Werke der Filmkunst. Aber wir hatten bei den Dreharbeiten viel Spaß und Millionen Zuschauer strömten in die Kinos.“ Neben Gottschalk und Krüger wurde 1984 auch der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm als „Mann des Jahres“ für sein Engagement für die Menschen in Äthiopien ausgezeichnet. Den BAMBI erhielt er aus den Händen von Liselotte Pulver und Frank Elstner, in dessen Show „Wetten, dass …?“ Böhm den Grundstein für seine auch heute noch aktive Stiftung „Menschen für Menschen“ legte. Sichtlich bewegt hielt Böhm bei seiner Dankesrede ein Plädoyer gegen Hunger und Waffen und brachte so Ernst in die Feier. Nach Mildred Scheel 1976 war Karlheinz Böhm der zweite BAMBI-Preisträger, der sein goldenes Reh nicht selbst behielt, sondern für seine Afrika-Hilfe versteigerte. Verleger Hubert Burda war davon so begeistert, dass er die Versteigerungsaktion spontan mit 50 000 Mark begann. Ein Vielfaches davon kam schließlich zusammen. Wer den BAMBI aber letztlich ersteigerte, blieb ein Geheimnis.

Außerdem dominierten 1984 die Olympischen Spiele von Los Angeles die Preisträgerliste: Einen BAMBI gab es für David Wolper, den Regisseur der
Eröffnungs- und Schlussfeier von Los Angeles. Ein goldenes Reh erhielt auch Komponist Giorgio Moroder für seinen Olympia-Hit „Reach out“ und natürlich ging auch ein BAMBI an die überragende Gold-Hochspringerin Ulrike Meyfarth, die im gleichen Jahr zur „Sportlerin des Jahres“ gekürt wurde. „Merci, merci, merci, für den BAMBI, Jury“ intonierte Udo Jürgens, als er für sein erfolgreiches 30-jähriges Wirken im Showgeschäft geehrt wurde.

Höhepunkt der Show war aber zweifellos die Ehrung für Deutschlands größten Schauspieler: der 82-jährige Heinz Rühmann wurde für sein Lebenswerk mit dem Ehren- BAMBI ausgezeichnet – sein insgesamt zwölftes BAMBI! Damit hält Rühmann noch heute einsam den BAMBI-Rekord. Als Rühmann von der siebenfachen BAMBI-Preisträgerin Maria Schell auf die Bühne gebeten wurde, erhoben sich die Gäste im Deutschen Theater und spendeten Rühmann minutenlang stehend Applaus. Rühmann knüpfte in seiner Dankesrede an Karlheinz Böhm an und zitierte den braven Soldaten Schwejk, eine seiner vielen Paraderollen:
„Krieg ist nur für reiche Leute.“

Text: Rüdiger Klausmann

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