Mit dem Schlitten ging es zum fürstlichen BAMBI-Mahl auf die Schwarzachen-Alm
Mit dem Schlitten ging es zum fürstlichen BAMBI-Mahl auf die Schwarzachen-Alm (c)Strobel/Hubert Burda Media

Draußen Schneetreiben. Drinnen die notdürftig beheizte Schwarzachen-Alm. Ein Wintermärchen im bayrischen Ruhpolding. Die Gäste fahren mit Schlitten vom Kurhaus zur Alm, schlürfen heißen Tee, plaudern am Lagerfeuer und wetteifern auf der Eisstockbahn. Nein, hier ist nicht von einem erholsamen Rentner-Ausflug die Rede – es geht tatsächlich um die BAMBI-Verleihung für das Jahr 1973. Wo früher Weltstars in München, Karlsruhe oder Monte Carlo Glanz und Glamour verbreiteten, war die Bambi-Verleihung im März 1974 im Kurhaus von Ruhpolding nur noch ein Volksfest in der Provinz. Natürlich feierten die Ruhpoldinger das seltene Star-Festival. Natürlich mussten sich die BAMBI-Sieger Peter Alexander, Anneliese Rothenberger, Peter Scholl-Latour, Michael Schanze, Horst Janson oder Gerhard Konzelmann die Finger aufgrund der vielen Autogrammwünsche wund schreiben. Aber die Latte, die der Burda-Verlag durch die zurückliegenden BAMBI-Veranstaltungen sehr hoch gelegt hatte, musste Ruhpolding zwangsläufig reißen. Nicht verwunderlich war deshalb, dass das Presse-Echo außerhalb der Burda-Zeitschriften wenig berauschend war. Der „tz“-Kolumnist Almut Hauenschild schrieb treffend: „Was mir jedoch auffällt: Vor vier Jahren flog ich mit der BAMBI-Mannschaft noch nach Monte Carlo. Ein Jahr später reisten wir nach Salzburg. Dann ging es über den Bodensee zur Insel Mainau. Jetzt waren wir in Ruhpolding. Ich vermute, das nächste Mal trifft man sich zwanglos im ‚Englischen Garten’.“ Auch die „Abendzeitung“ in München hatte für die Kurort-Verleihung wenig übrig: „Der Glamour ist verblasst. Die siebziger Jahre brachten schützenfestlichen Charakter in die Festivität. Bayerisch-urig sollte es 1974 zugehen, mit Blasmusik, Schnaps, Bier und Almauftrieb sowie anschließendem lustigen Schneetreiben: Burda – ein Wintermärchen.“

Auch Verleger Franz Burda – in den 1960er- Jahren berühmt für seine provokanten Reden zur Zukunft des deutschen Films – fand im beschaulichen Ruhpolding keine Adressaten für seine Forderung, die aus dem Filmgeschäft fließenden Steuern der Filmwirtschaft wieder in voller Höhe zukommen zu lassen. Der einzig anwesende Politiker war Bayerns ehemaliger Wirtschaftsminister Otto Schedel. Durch Abwesenheit glänzten in Ruhpolding auch die BAMBI-Sieger Mireille Mathieu und Inge Meysel. Peter Scholl-Latour hielt es auch nicht lange aus und rauschte mit BAMBI und unbekannter Blondine im Arm direkt nach der Preisverleihung in einem Mercedes nach Zürich davon. Währenddessen beklagte Anneliese Rothenberger kalte Füße und fürchtete um ihren Sopran-Hals und Monika Lundi musste einen Absatz ihrer Schuhe im 18 Zentimeter hohen Neuschnee lassen. Aber wenigstens einer war glücklich: TV-Koch Max Inzinger. Er erfuhr kurz nach Mitternacht von der Geburt seiner Tochter und versprach, dem Mädel den Zweitnamen „BAMBI“ zu geben. „Gott verhüte das“, wird ein anderer Promi gedacht haben, der von der „Abendzeitung“ nach dem Materialwert des BAMBI-Rehs befragt wurde und säuerlich antwortete: „So wie ick den Laden hier kenne, ist det aus Gips.“ Spätestens als die BAMBI-Stars dann noch eine Unterschriftenliste für glückliche Hühner und gegen Legehennen unterschreiben sollten, war wohl jedem BAMBI-Verantwortlichen bei Burda klar: Unser geliebtes goldenes Reh steckt in einer handfesten Image-Krise. Zum Glück nur für ein Jahr – denn 1975 sollte Bambi wieder die glanzvolle Aufmerksamkeit erhalten, die sich das Reh über die Jahrzehnte mühsam erarbeitet hatte.

Text: Rüdiger Klausmann

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