BAMBI 1990: Leipzig feiert Hans-Dietrich Genscher
BAMBI 1990: Leipzig feiert Hans-Dietrich Genscher und Kurt Masur (c) BUNTE/ Ralf Succo

Die BAMBI-Verleihung 1990 musste einfach in den neuen Bundesländern stattfinden. Und der Burda-Verlag wählte Leipzig – die Stadt, in der die Bürger mit ihren friedlichen Montagsdemonstrationen das Fundament zur Wiedervereinigung Deutschlands legten. Im Dezember 1990 waren die Leipziger wieder auf der Straße – doch dieses Mal nicht im Kampf für ihre Grundrechte, sondern aus Neugier und um ihren Stars zuzujubeln, die in Scharen nach Leipzig kamen. 1200 geladene Gäste (absoluter BAMBI-Rekord), darunter 100 BAMBI-Stars aus Gegenwart (Hella von Sinnen, Helmut Fischer und Otto Waalkes) und Vergangenheit (Johannes Heesters, Lilo Pulver, O.W. Fischer) feierten in der Leipziger Oper die „Besten des Jahres 1990“. Doch die frierenden Menschen außerhalb der Oper jubelten trotz Franz Beckenbauer, David Hasselhoff und Roger Moore einem Mann zu, der eigentlich nur zum Überreichen eines BAMBIS an Kurt Masur, 20 Jahre Gewandhauskapellmeister in Leipzig, angereist war: Bundesaußenminister Hans- Dietrich Genscher. Tausende sangen: „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, als sie Genscher erblickten. Dieser winkte ganz bescheiden ab: „Ich bin doch nur Pate.“

Kurt Masur erinnerte in seiner viel beachteten Dankesrede noch einmal an Leipzig 1989: „Dieser Geist darf nicht in Bürokratie, Geldsorgen und politischem Hickhack erstickt werden.“ Ein Satz, der auch im Jahr 2008 große Aktualität besitzt. Verleger Hubert Burda eröffnete 1990 die erste BAMBI-Nacht im Osten: „Ich freue mich, Gäste begrüßen zu dürfen, die mutig und aktiv Anteil hatten am Prozess der historischen Wende und der Wiedervereinigung. Was immer man gegen Rundfunk und Fernsehen auch kulturkritisch einwenden mag: Ohne den westlichen Hörfunk, ohne die unmittelbar informierende Rolle des Westfernsehens hatte die Wiedervereinigung wahrscheinlich gar nicht so friedlich stattgefunden. Ich denke dabei gar nicht nur an aufklärende politische Sendungen, sondern vielmehr auch an jene, die in Bild und Ton unsere westliche Lebensform vorführten.“ Burda in seiner Rede weiter: „So sollen den Mittelpunkt des heutigen Abends auch jene Künstler bilden, die in den vergangenen Jahrzehnten oft genug die Wiedervereinigung gewissermaßen vorwegnahmen, weil sie über die Grenzen hinaus das Publikum in Ost und West interessierten, amüsierten, vereinten.“ Mit großem Beifall wurden die Schlussworte des Offenburger Verlegers aufgenommen: „Im Augenblick sorgt sich die Welt um Gorbatschow. Für den kommenden Winter fehlt es in Russland am Allernotwendigsten. Deswegen stiften die Verleger Aenne Burda und Hubert Burda für Hilfspakete in die Sowjetunion einen Betrag von 500.000 Mark.“

Die Deutsche Einheit stand auch im Mittelpunkt, als Rudolf Seiters den BAMBI „als bester Politiker des Jahres“ überreicht bekam. Kanzleramtsminister Seiters wurde als Makler der Wiedervereinigung gefeiert. Beifall gab es auch für „Aschenbahn“-Gazelle Katrin Krabbe, die einen BAMBI als „Shooting-Star des Jahres“ von RTL-Sport-Chef Ulli Potowski überreicht bekam. Ein BAMBI, der im Rückblick nicht mehr viel Freude bereitet, denn Krabbes Karriere endete knapp zwei Jahre später unrühmlich, als nach einer Urinprobe bei ihr und Trainingspartnerin Grit Breuer das Dopingmittel Clenbuterol nachgewiesen wurde. Weitere Preisträger der Wiedervereinigungs-Gala: Weltmeister-Trainer Franz Beckenbauer, Pop-Star David Hasselhoff (mit der passenden und von allen Prominenten laut mitgesungenen Hymne „Looking for freedom“), RTL-Chef Helmut Thoma (zum Dank übertrug RTL die BAMBI-Gala’ 90) und der Schauspieler mit Ost- Vergangenheit Manfred Krug („Auf Achse“).

Text: Rüdiger Klausmann

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