Auf dem Offenburger Rathausbalkon blickten Mireille Mathieu, Gina Lollobrigida, Offenburgs Oberbürgermeister Martin Grüber und Verleger Hubert Burda auf die Menschenmassen vor dem Rathaus.
Auf dem Offenburger Rathausbalkon blickten Mireille Mathieu, Gina Lollobrigida, Offenburgs Oberbürgermeister Martin Grüber und Verleger Hubert Burda auf die Menschenmassen vor dem Rathaus. (c) BUNTE/E.Gmeiner

Der Senator wäre stolz gewesen. Am 30. September 1986 starb Franz Burda mit 83 Jahren – im Dezember 1987 machte sein Sohn Hubert Burda ihm posthum vielleicht den größten Gefallen: Er holte den BAMBI nach 40 Jahren „Exil“ in Karlsruhe, Monte Carlo, Salzburg und München in Burdas Heimatstadt Offenburg. Etwas mehr als ein Jahr nach dem Tod des Senators war BAMBI 1987 für Hubert Burda ein besonders Fest – nicht nur wegen des Austragungsortes Offenburg, nein, Hubert Burda war erstmals der Hausherr: Nach dem Tod seines Vaters übernahm er Ende 1986 als alleiniger Gesellschafter und Vorstandsvorsitzender die Burda Holding. Seine Brüder hatten ihm ihre Anteile veräußert. Und BAMBI 1987 war auch für alle Offenburger etwas Besonderes. Die Stadt stand buchstäblich Kopf. Bereits vor der großen Gala schrieb die Mittelbadische Presse: „Kaum jemals zuvor kann Offenburg so viele illustre Gäste in seinen nicht mehr vorhandenen Mauern begrüßen.“

Und BAMBI 1987 ließ auch in der Redaktion des Offenburger Tageblatts ungeahnte Talente zum Vorschein kommen. Die Tatsache, dass in Offenburg und Umgebung jedes Hotelzimmer vom Burda-Verlag und seinen Gästen belegt wurden, kommentierte der Redakteur Martin Picard mit geradezu lyrischen Vergleichen: „Wanderer, kommst du nach Offenburg, dann kehre heute am besten wieder um. Dein müdes Haupt wirst du in dieser Nacht nämlich nirgendwo betten können, wo gegen gutes Geld ein Lager feilgeboten wird.“ Die Prominenten mussten sich diese Gedanken nicht machen. Der Offenburger BAMBI-Tag begann für sie am 10. Dezember 1987 frühmorgens auf dem Münchner Hauptbahnhof. Per Burda-Sonderzug ging es für die Preisträger und die geladenen Gäste nach Offenburg. Am Stuttgarter Hauptbahnhof stiegen auch Gisela und Gaby zu – die hübschen Pressegirls der Mittelbadischen Presse hatten 300 Zeitungen für die Stars dabei und verteilten sie lächelnd im BAMBI-Zug. „Jetzt ist Weihnachten“, lachten die Prominenten und freuten sich über die aktuellen Ausgaben des Offenburger Tageblatts. Günther Schramm lobte: „Der erste Eindruck ist fabelhaft.“ Michael Schanze mochte es eher nüchtern: „Die Zeitung ist okay.“ „Winnetou“-Gattin Hella Brice: „Die Schrift ist schön, angenehm zu lesen.“ Und Teeniestar und Herzensbrecher Thomas Gottschalk lächelte neben seiner Frau Thea: „Immer wenn ich nach Offenburg komme, lese ich das OT.“ Als Pressegirl Gaby für ein Foto näher rückte, feixte Gottschalk: „Ich kenne die Frau nicht, ich habe sie heute zum ersten Mal gesehen.“ Grund für Thommys Sorge: Eine große Boulevardzeitung wollte ihm tags zuvor eine Geliebte andichten. Aufstehen für das Foto wollte Gottschalk aber nicht: „Wenn ich eines nicht mache, dann ist es aufstehen im Zug. Ich bin einmal gestürzt“, redete sich der Showstar heraus.

Doch nicht nur das Offenburger Tageblatt wurde von Johannes Heesters, Maria Schell & Co. im Zug gelesen, auch das Styling musste anno 1987 perfekt sitzen, so dass der Münchner Starfriseur Gerhard Meir („Le Coup“) mit seinem Team im Zug alle Hände voll zu tun hatte. Um 14.02 Uhr fuhr der Star-Zug im Offenburger Hauptbahnhof ein. Hunderte Fans kannten kein Halten mehr: Chauffeure der Nobelkarossen, die mit Namenskärtchen auf Promi-Suche waren, wurden zur Seite gerempelt und wenige Sekunden später verschwand Thomas Gottschalk in einer Fan-Traube. Auch Stefanie Tücking schrieb brav ihren Namen, während andere Stars eilig den Ausgang ansteuerten. Doch auch dort erwartete sie ein Volksauflauf. Taxi-Chaos, Polizisten versuchten Fans und Verkehr in den Griff zu bekommen. Es blieb beim Versuch. Ähnliche Szenen auch vor dem Offenburger Rathaus, zu dem die Prominenten gefahren wurden. Ein richtiges Volksfest mit dutzenden Stars, die sympathisch-gelassen blieben. Piere Brice bekam die meisten Komplimente: „Mensch Winnetou, hast du dich gut gehalten.“ Währendessen unterhielt sich Oberbürgermeister Martin Grüber (SPD) bereits ausgiebig im Rathaus mit Gina Lollobrigida. O.W. Fischer musste sich da schon gedulden, bevor er dem Rathauschef die Hand geben durfte.

Verleger Hubert Burda begrüßte alle Gäste in Englisch und erinnerte an die enge Verbindung seines Vaters mit der Stadt. Mit einem Schluck Wein gedachten daraufhin alle des verstorbenen Senators. Auch die eigentliche BAMBI-Feier am Abend in der Offenburger Oberrheinhalle hatte einige Höhepunkte zu bieten. Rührend, als Alain Delon seinen BAMBI entgegennahm und ihn mit Tränen in den Augen in die Höhe reckte und seiner 1982 verstorbenen Filmpartnerin Romy Schneider gedachte: „Romy, du bist heute Abend bei uns. Du hast nie diese Auszeichnung bekommen. Mein Pupperle, dieser BAMBI gehört dir.“ Immer wieder gedachten die Stars in ihren Dankesreden auch des Senators Franz Burda. Peter Alexander dichtete ihm zu Ehren sogar seinen Erfolgshit „Die kleine Kneipe“ um und sang: „Das kleine Hochhaus in unserer Stadt“. Gemeint war natürlich der heute modernisierte „Media-Tower“. Ein weiterer großer Höhepunkt war der Auftritt von Ute Lemper (BAMBI als Shooting-Star). Thommy Gottschalk schwärmte: „Ein Superfest! Hollywood ist nichts dagegen.“ Und auch die „Tribute to BAMBI“-Initiative wurde 1987 bereits geprägt. Denn BAMBI-Preisträgerin Ursula Späth bekam von den Gästen der Gala eine halbe Million Mark für ihre Organisation Amsell gespendet, die an Multipler Sklerose Erkrankten hilft.

Text: Rüdiger Klausmann

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