BAMBI 1979: Erstmals wurde der Fernsehpreis in einem Münchner Nachtclub verliehen
BAMBI 1979: Erstmals wurde der Fernsehpreis in einem Münchner Nachtclub verliehen (c)Winfried Rabanus/Hunert Burda Media

Das hatte es auch noch nie gegeben: Der BAMBI für das Jahr 1979 (und dieses Mal auch für die ersten Monate 1980) wurde im März 1980 in einem Münchner Nobel-Nachtclub verliehen. Kein Wunder, dass die 250 geladenen Gäste beim Betreten der Diskothek „Charly M.“ Angst vor anhaltend schlechter Luft hatten. Doch die Klimaanlage funktionierte tadellos, schlechte Luft gab es keine – aber leider schlechte Laune. Und diese vor allem bei Showmaster Rudi Carrell. Der Fernsehstar, der zum vierten Mal das goldene Reh als bester Quizmaster („Am laufenden Band“) entgegennahm, war beleidigt. Der Holländer verkraftete es nicht, dass sein Kollege Michael Schanze (BAMBI für die Kindersendung „1,2 oder 3“) mehr Applaus bekam als er. Doch Carrell beließ es nicht beim Schmollen, er beschwerte sich über das karge Applaudieren bei den Gästen. Und weil er gerade einmal dabei war, polterte er – das goldene Reh in der Hand – auf der Bühne weiter: Carrell beschimpfte vor den Augen von Gastgeber Hubert Burda dessen Zeitschrift BUNTE, die ein paar Mal geschrieben hatte, dass er ab 1981 sein Geld bei Radio Luxemburg verdienen werde. Beleidigt schwor der Showmaster auf Karel Gott und seine Hotelbibel, dass dies nicht stimme. Doch damit war noch nicht Schluss: Als Carrell die Bühne verließ, forderten ihn ein paar Zuschauer auf, nach Holland zurückzugehen. Da konterte Carrell in seiner bekannt charmanten Art: „Ihr Arschlöcher!“ Aber Carrell – der tatsächlich erst in den neunziger Jahren zu RTL wechselte – schaffte es dennoch nicht, die übrigen BAMBI-Gäste aus der Feierlaune zu bringen.

Moderiert vom damaligen Chef des ZDF-„Heute- Journals“, Dieter Kronzucker, feierten die Gäste die BAMBI-Sieger: Dagmar Berghoff (beste Nachrichtensprecherin), Peter Scholl-Latour (bester Fernsehjournalist), Walter Kempowski (für „Ein Kapitel für sich“) sowie Sangerin Julia Migenes. Ein bisschen unwohl in Anzug und mit Krawatte fühlte sich der „niedliche Jungstar“ (FREIZEIT REVUE) Tommy Ohrner, der für die Kinderserie „Timm Thaler“ ausgezeichnet wurde. Einen BAMBI für die wohl ungewöhnlichste Sportreportage aller Zeiten bekam ZDF-Reporter Bruno Moravetz. Beim Langlauf während der Olympischen Winterspiele in Lake Placid fahndete er verzweifelt nach der deutschen Nummer eins. Sein Satz „Wo ist Behle?“ wurde zur Legende. Doch bei der BAMBI-Feier war Behle nicht weit entfernt: Er überreichte seinem „Entdecker“ Moravetz das goldene Reh. Weitere Premieren gab es auch: Erstmals wurde in Film-Ausschnitten wahrend der Verleihung gezeigt, warum jemand einen BAMBI erhalten hatte. Außerdem durften in diesem Jahr auch die Leser der Jugendzeitschrift „Rocky“ drei BAMBI-Sieger wählen: Peter Maffay, Amii Stewart und Dschinghis Khan.

Der einzige Preisträger, der an diesem Abend nicht kommen konnte war Gustav Knuth (für die Serie „Der eiserne Gustav“) – er lag sterbenskrank mit lebensgefährlichen Durchblutungsstörungen im Züricher Krankenhaus. Zwei Monate später hatte sich der 78-Jahrige erholt und nahm seinen vierten BAMBI bei sich zu Hause entgegen. Erleichtert stellte die BILD UND FUNK Redaktion fest, dass es Knuth nach fünf Wochen Klinik sichtlich besser ging und er in Anbetracht des BAMBIS wieder witzelte: „Na, wie wollt ihr denn das Reh – mit Rahmsoße oder ohne?“

Text: Rüdiger Klausmann

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