BAMBI-Sieger bei der Premiere von Hubert Burda als Gastgeber (v.l.): Mario Adorf, Lisa Kreuzer, Nastassja Kinski und Heinz Rühmann.
BAMBI-Sieger bei der Premiere von Hubert Burda als Gastgeber (v.l.): Mario Adorf, Lisa Kreuzer, Nastassja Kinski und Heinz Rühmann. (c)Hubert Burda Media/Archiv

BAMBI feierte 30. Geburtstag und erstmals war nicht Senator Franz Burda, sondern sein Sohn Hubert Burda als Verleger und Chefredakteur der BUNTE selbst Gastgeber der BAMBI-Gala. Doch Hubert Burdas Premiere begann mit einer Panne: Auf der Autobahn von Offenburg nach München blieb der BAMBI-Gastgeber buchstäblich im Schnee stecken. Er musste umkehren und erreichte mit Glück den letzten Zug nach München. Doch auch Burdas Gäste hatten mit den Wetter-Kapriolen im Februar 1978 zu kämpfen: Das Auto des Dauer-BAMBI-Siegers Heinz Rühmann war eingeschneit, die „Fernsehentdeckung des Jahres“, Nastassja Kinski („Reifeprüfung“), wartete in Barcelona fünf Stunden auf ihr Flugzeug und „Report“- Chef Franz Alt kreiste im Jet stundenlang im Münchner Luftraum. Doch Schnee und Eis konnten nicht verhindern, dass Hubert Burdas erste BAMBI-Verleihung als offizieller Gastgeber erneut zu einer glanzvollen Veranstaltung wurde.

Im Königssaal des Münchner Hotels „Bayrischer Hof“ erinnerte Hubert Burda vor 100 geladenen Gästen an die Anfangszeiten des BAMBIS: „Vor wenigen Tagen erzählte man mir, wie der Namen BAMBI entstand: Als die Tochter der ersten Preisträgerin Marika Rökk, die heutige Schauspielerin Gaby Jakoby, die namenlose Rehstatuette sah, rief sie entzückt: ‚Mutti, schau mal, das BAMBI!’“BAMBI war 1977 ein Fest der jungen, weiblichen Nachwuchshoffnungen. Die 24-jährige Jutta Speidel (Serie „Drei sind einer zuviel“) wurde von den BILD UND FUNK-Lesern zur beliebtesten Schauspielerin gewählt, die 17-jährige Nastassja Kinski erhielt das goldene Reh für den berühmten „Tatort“ „Reifeprüfung“, die 22-jährige Isabelle Adjani stieg durch Truffauts „Geschichte der Adele H.“ zum Weltstar auf und die Tochter von Schauspielerin Ellen Schwiers, Katarina Jakob (19), wurde für ihre Hauptrolle in der Fontane-Verfilmung „Grete Minde“ mit dem goldenen Reh ausgezeichnet. Bei den Männern dagegen die gewohnte BAMBI-Stars: Peter Alexander (war nicht anwesend) und Heinz Rühmann. Dazu neu: Mario Adorf, Südfunk-Chef Emil Obermann (für die Sendung „Nach Mogadischu“) und Franz Alt (für das beste Polit-Magazin). Doch die Damenwelt hatte für diese Herren keinen Blick übrig. Umschwärmter Mittelpunkt an diesem Abend war Schriftsteller Peter Handke (BAMBI für den Film „Die linkshändige Frau“)!

Für die meisten Schlagzeilen sorgte aber wieder einmal ein heftig umstrittener Politik-BAMBI. Preisträger nach Gustav Heinemann (1969) und Hans-Dietrich Genscher (1976) war Ägyptens Staatspräsident Anwar el-Sadat – in Erinnerung an unvergessliche Fernsehbilder für die wichtigste Begegnung des Jahres (Händedruck mit Israels Regierungschef Begin). Sadat wurde das Reh in Kairo überreicht. Der neue Chefredakteur der BILD UND FUNK, Günter von Waasen, verteidigte die Wahl: „Der BAMBI lässt sich nicht in Gatter sperren. Er blieb aktuell in all den Jahren.“ Das sah Kommentator Hans Riehl in der Münchner Tageszeitung „tz“ völlig anders: „Bisher wurde Burdas BAMBI vorwiegend an Schauspieler und artverwandte Berufe verliehen. Nun hat ihn die wackere Redaktion von BILD UND FUNK auch dem ägyptischen Staatspräsidenten Sadat zugesprochen. Und treuherzig, wie Burdas Blattmacher nun einmal sind, wurde diese Auszeichnung gewiss ohne jeden Hintergedanken gemacht.“ Voller Ironie schreibt Riehl weiter: „Freilich hätten das liebe BAMBI-Rehlein auch andere Zeitgenossen verdient. Die Queen zum Beispiel in Erinnerung an die unvergesslichen rosa Kostüme, die sie zum Krönungsjubiläum das ganze Jahr 1977 hindurch trug. Für 1978 darf sich die Fernseh-Illustrierte gleich einmal Franz Klammer vormerken – in Erinnerung an sein unvergesslich langes Gesicht nach der Weltmeisterschafts-Abfahrt in Garmisch…“

Noch eine Besonderheit gab es bei BAMBI 1977. Zwei Preisträger wurden nicht bei der offiziellen Feier in München ausgezeichnet, sondern bekamen ihr Reh einige Wochen später in Offenburg – sozusagen die erste BAMBI-Verleihung am Stammsitz des Burda-Verlages! Der Anlass: der 75. Geburtstag von Senator Franz Burda. Klar, dass der Senator dann auch höchstpersönlich seinen Geburtstagsgästen Peter Alexander und den Showstars von „Baccara“ ihren Ehrenpreis überreichte.

Text: Rüdiger Klausmann

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