BAMBI-Sieger für das Jahr 1982 im Münchner Ster ne-Restaurant "Tantris" (v.l.): Dietlinde Turban, Larry Hagman, Thomas Gottschalk, Johannes Gross und Heinz Sielmann.
BAMBI-Sieger für das Jahr 1982 im Münchner Ster ne-Restaurant „Tantris“ (v.l.): Dietlinde Turban, Larry Hagman, Thomas Gottschalk, Johannes Gross und Heinz Sielmann. (c)BUNTE/W.Rabanus

Der BAMBI leidet. In den 50er und 60er-Jahren war er ein großer Filmpreis, dann wurde BAMBI ab 1967 zum Fernsehpreis umgemodelt. Die Feste wurden intimer, familiärer – nicht mehr so öffentlich wie zu Hochzeiten des Kinos. Vom Münchner Nobelhotel „Bayrischer Hof“ tingelte BAMBI Ende der 70er, Anfang der 80er über die Münchner Diskothek „Charly M.“, „Kay’s Bistro“ bis hin zu dem Münchner Zwei-Sterne-Restaurant „Tantris“, in dem Anfang 1983 der BAMBI für das Jahr 1982 verliehen wurde. Warum BAMBI dem großen Publikum Jahr für Jahr mehr entzogen wurde, erklärte 1983 die Burda-Zeitschrift BUNTE: „Zurückgehende Kinozahlen und Publikumsschwund ließen die Gagen der Schauspieler merklich fallen. Bekam O.W. Fischer beim Film noch 150 000 Mark, so hat das Fernsehen eine Höchstgage von 30 000 Mark pro Rolle. Wie kann man aber, bei zwei Rollen im Jahr, den Starkult aufrechterhalten? Große Publikumserfolge wie ‚Dallas’ finden heute nicht mehr in den Kinosälen statt, sondern bei uns zu Hause. BAMBI ‘83 wird deshalb im kleinen Kreis von Stars, Autoren, Regisseuren, Politikern, Intendanten und Zeitungs- und Zeitschriftenjournalisten veranstaltet. Bei einem Abendessen in Münchens Zwei-Sterne-Restaurant ‚Tantris’, mit dem sich die Redaktion von BILD UND FUNK für die großartigen Leistungen der Schauspieler oder Stars im Fernsehen bedankt, die dem Publikum so viele schöne Stunden bereiteten.“

Star des BAMBI-Abendessens war dann übrigens „Dallas“- Fiesling „J.R.“ Larry Hagman, der den BAMBI für die beliebteste Fernsehserie in Empfang nahm. „Woooouuh“, rief er und tätschelte das Reh von allen Seiten. „That’s great!“. Und dann verriet Hagman, warum er Deutschland liebt: „Vor dreißig Jahren habe ich in Bayern meine Flitterwochen verlebt.“ Kein Wunder, dass Hagman nach der BAMBI-Verleihung zur vorgerückten Stunde die erste Strophe der deutschen Nationalhymne anstimmte… Zuvor mussten aber noch andere Rehe unter den Stars verteilt werden. Dass Heinz Sielmann („Expedition ins Tierreich“) mit einem Reh als Preis am meisten anfangen konnte, liegt in der Natur der Sache: „Das BAMBI, ein Rehkitz, ist Symbol für das, was wir in den zukünftigen Jahren tun müssen, um Natur noch Natur sein zu lassen.“ ZDF-Intendant Dieter Stolte durfte sich für „wesentliche Verbesserungen im Programmangebot“ auszeichnen lassen und die „Spider Murphy Gang“ wurde beim Münchner Heimspiel als beste Interpreten der „Neuen Deutschen Welle“ ausgezeichnet. Ober-Spider Gunter Sigl mit Blick auf seine drei Band-Kollegen: „Leider müssen wir das BAMBI einschmelzen – und vier kleine BAMBIS draus machen.“

Einen BAMBI bekam erstmals auch ein junger Moderator, der „mit kritischem Witz und Elan den kleinen Fernsehshows Profil verleiht“. Sein Name: Thomas Gottschalk! Damals war der heutige „Wetten, dass…?“-Moderator mit „Thommy’s Pop-Show“ und „Na so was!“ auf Sendung und bedankte sich mit den Worten: „Zuerst müsste ich wohl meinen Eltern danken – wie bei der ‚Oscar’- Verleihung üblich. Aber ich danke vor allem jedem, der für die Zukunft Vertrauen in mich setzt.“ Und einen ganz besonderen BAMBI gab es auch noch: ein BAMBI für die Politik-Sendung des Südwestfunks, „Report“. Weshalb war dies besonders? Weil „Report“ um seinen Chef Franz Alt damals wegen seines kritischen Journalismus höchst umstritten war. Da Alt oft Position gegen die CDU bezog, die damals in den SWF-Vertragsländern regierte, gab es zahlreiche Versuche aus dem Rundfunkrat, Alt abzusetzen. Der damals amtierende Intendant des SWF, der frühere rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete Willibald Hilf, entschloss sich jedoch erst mit dem Jahreswechsel 1991/92 zu diesem Schritt. 1983 hatte Hilf nach der öffentlichen Ehrung mit dem BAMBI keine Chance mehr an Alts Stuhl zu rütteln. Die BILD UND FUNK schrieb Anfang 1983: „Im Südwestfunk ist man davon überzeugt, dass durch diese große Anerkennung der Arbeit der Report-Redaktion sich die Gewichte im Streit um die Existenz des kritischsten deutschen Fernsehmagazins zugunsten von Dr. Franz Alt und seiner Mannschaft verschoben hat.“ Eine richtige Analyse – die bis 1991 Bestand hatte.

Text: Rüdiger Klausmann

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